Wohin mit den faulen Krediten?

„Faule Kredite“, etwas sachlicher auch notleidende Kredite genannt, sind ein massives Problem vieler Banken in der Eurozone. Sie sind auch eine Spätfolge der Finanzkrise, die nun fast zehn Jahre zurückliegt. Damals – und auch noch in den folgenden Jahren – hatte man bei der Kreditprüfung nicht so genau hingesehen und an Unternehmen, aber auch Verbraucher mit dürftiger Bonität Finanzierungen ausgereicht, deren Rückzahlung ins Stottern geriet. Man spricht bei einer Überschreitung von mehr als neunzig Tagen dann von notleidend. Die Erfahrung – auch die mancher Lieferantenkreditgeber – ist klar: Die Chancen einer Realisierung sinken mit dem Zeitraum der Überfälligkeit.

EZB-Präsident Draghi bezeichnet das Problem als das wichtigste Thema, das dringend zu lösen sei. Denn der Druck fauler Kredite mache die Banken anfällig und sorge dafür, dass keine weiteren Kredite mehr ausgereicht werden könnten. Die EZB beaufsichtigt die 120 größten Banken in Europa, um frühzeitig eingreifen zu können, wenn es (wieder) zu einer Schieflage kommt. Die Bankenaufsicht hat nun weitere Vorgaben zur Sicherung gemacht. Mit Beginn des nächsten Jahres sind die Banken verpflichtet, für die notleidenden Kredite für den unbesicherten Anteil bereits in zwei Jahren eine volle Deckung vorzulegen, für den besicherten Teil ihres Kreditportfolios spätestens nach sieben Jahren eine Abdeckung stehen zu haben. Das kostet Geld und hat die Vertreter Italiens und Frankreichs auf den Plan gerufen.

Erdrückendes Volumen

Wie drängend Lösungen sind, zeigt die schiere Größe des Volumens zahlungsgestörter Kredite in den Büchern der Banken: Die Rede war im Frühjahr 2017 von 921 Milliarden Euro! Der größte Teil, knapp 800 Milliarden Euro, entfallen auf die erwähnten größten 120 Banken, die unter Beobachtung stehen. Große Anteile fallen auf italienische und griechische Häuser; in beiden Ländern liegen diese Kredite bei über hundert Milliarden Euro. Entsprechend groß ist der Widerstand gerade aus Italien gegen die Sicherungspläne. Geschätzt wird der Bestand gefährdeter Kredite südlich der Alpen auf 250 Milliarden Euro.

Immerhin ist Licht auch am Ende des Tunnels der Problemländer zu sehen. Die faulen Kredite machen nunmehr 5,5 Prozent des Bestandes der beaufsichtigten Banken im Euroraum aus – 2015 waren es noch 7,5 Prozent. Ein Blick auf Griechenland, das am härtesten unter den Folgen der Krise zu leiden hat, zeigt auch da eine Besserung – wenn auch in kleinen Schritten. So lag der Bestand gefährdeter Kredite im Dezember bei 104,8 Milliarden Euro – eine Verringerung um eine Milliarde Euro. Dennoch sind immer noch rund fünfzig Prozent des gesamten Kreditvolumens betroffen. Bis Ende 2019 sollen die notleidenden Kredite auf 33,9 Prozent des Gesamtvolumens fallen – das sind 66,7 Milliarden Euro. Damit wird der Weg frei, um mehr Geld auszuzahlen, das griechische Unternehmen dringend brauchen, um die Konjunktur anzukurbeln.

Märkte und Informationen bereitstellen

Draghi thematisiert einen Weg, um faule Kredite loszuwerden: Der Verkauf dieser Kredite. Doch wie die EZB selbst berichtet, fehlt es dem Markt dafür an Koordination und Information. Wer notleidende Kredite kauft, will wissen, was noch zu realisieren ist. Die Folgen des blinden Kaufs der überfälligen Immobilienkredite in den USA haben alle Player noch vor Augen. Immer weiter gereicht, schaute man erst ganz am Ende nach dem tatsächlichen Wert – und der war weit unter Kaufpreis. Ein Beispiel zeigt, wie es gehen kann: Italiens Unicredit hatte notleidende Forderungen im Wert von 18 Milliarden Euro verkauft, die zuvor in den Büchern auf 13 Prozent abgeschrieben wurden. Gleichzeitig war das Eigenkapital um 13 Milliarden Euro erhöht worden. Eine solche Transaktion ist aber eher ein Einzelfall. Der Markt – und hier setzt die Kritik der EZB an – ist zu klein. Nur 76 Investoren sind bereit, die sich einem Überangebot gegenüber sehen. Folge: Die Preise sinken und die Banken behalten die faulen Kredite lieber in den Büchern. Jetzt sollen einheitliche Plattformen bereitgestellt werden, die Informationen vorbehalten, die eine adäquate Prüfung und Preisfindung ermöglichen. Damit die Banken in den Problemländern einen Neuanfang finden.

© 2018
Creditreform Duisburg Wolfram KG
Creditreform Mülheim Wolfram KG

Kontakt

allgemeineskontaktformular

Allgemeines Kontaktformular
Kontakt